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Malcolm Rathmell
Malcolm Rathmell ist einer der größten Händler
für Trialmotorräder seit der 1970er Jahre; auch
heute ist er der Trialwelt noch verbunden. Er
ist Sherco-Importeur für Großbritannien, und
ohne Zweifel ist Malcolm eine Autorität wenn es
um Fragen des Trialsportes geht.
In folgendem Gespräch
zwischen Arnau Vilardell, dem Verkaufsmanager
von Sherco und Malcolm Rathmell machen sich die
Beiden Gedanken über die Zukunft des
Trialmarktes.
Im Gespräch
AV: Wie siehst du die Entwicklung des
Trial-Motorrad-Marktes?
MR: Mit den gegenwärtigen weltweiten
ökonomischen Problemen sehe ich zwei schwierige
Jahre auf uns zukommen. Als Sherco Importeur von
Großbritannien dürfen wir unsere Kunden
natürlich nicht im Stich lassen, und wir müssen
zusehen, dass wir schnell auf die Veränderungen
im Weltmarkt reagieren, und im Spiel sofort
wieder vorne dabei sind, wenn wieder Bewegung in
den Markt kommt. Das Problem mit den fehlenden
Übungsplätzen und mit dem Lärm verschärft sich
zunehmend und es wird hier auch weiterhin Arbeit
notwendig sein. Unsere Hoffnung ist, dass der
Trialsport sich auf dem heutigen Niveau halten
kann. Ist dass der Fall, so können wir schon
glücklich sein.
AV: Neuerlich blicken wir auf ein Jahr zurück,
in dem Lampkin und Jarvis, die ja sicher
Elitefahrer sind, den britischen Trialsport
dominiert haben. Wer soll in ihre Fußrasten
steigen, wenn diese beiden einmal zurücktreten?
MR: Wir halten ständig nach neuen Talenten
Ausschau. Es ist aber so, dass Spanien die
Jugendtrialszene der letzten sechs bis zehn
Jahre dominiert hat. Wir versuchen aber
unablässig neue Fahrer zu finden. Ich würde
sagen die Sache ist in England deshalb so
kompliziert, weil die Fahrer hier auch
finanziell von der Familie unterstützt werden
müssen, um den Anschluss an das Weltklasseniveau
zu schaffen. Wir haben gegenwärtig 5 oder 6 gute
Fahrer die auf diesem Weltklasseniveau mitfahren
und - ja, ich glaube dass wir in Zukunft gute
Ergebnisse erwarten können. Es ist klar, dass es
schwierig sein wird, wieder jemanden auf das
Niveau eines Lampkin oder Jarvis zu bringen. Sie
haben den Sport in den letzten zehn oder
fünfzehn Jahren entscheidend mitbestimmt. Es
wird aber so sein, dass die Spanier noch eine
Weile siegen werden, bevor wir wieder ganz vorne
mitspielen.
AV: Wie denktst du über den Einzug der Mädchen
in den Trialsport?
MR: Ich denke es ist sehr gut, wenn wir Mädchen
und Frauen im Trialsport haben.
Unglücklicherweise habe ich die beste weibliche
Fahrerin, die ich hatte, verloren. Sie erreichte
Platz vier im Andorra-Lauf zur Frauen-WM. Sie
wäre die nächste Anwärterin auf den
Frauen-WM-Titel gewesen. Sie ist erst 16, eine
unglaublich gute Fahrerin, hat eine starke
Persönlichkeit und hat eine ungewöhnlich gute
physische Kraft. In jeder Hinsicht ist sie die
beste, die England hat.
AV: Glaubst du eigentlich, dass Frauen den
Trialsport für ein größeres Marktsegment
interessant machen könnten?
MR: Das glaube ich nicht. Ich mag es Frauen beim
Trial zuzusehen, aber die Leistungen liegen doch
klar hinter der von Männern. Die derzeitigen
Sektionen sind sehr technisch und erfordern
ungeheuer viel Kraft. Das ist ein Nachteil für
Frauen. Laia Sanz ist ein gutes Beispiel für
eine Frau, die genug körperliche Kraft mitbringt
um mit den Männern mithalten zu können – aber
sie ist eine Ausnahme. ich würde es gerne sehen,
wenn der Sport zu einem System zurückkehren
würde, das sich an die breite Öffentlichkeit
wendet. Ich glaube dann würden Burschen und
Mädchen im gleichen Maße zu diesem Sport finden.
AV: Sherco ist jetzt seit 10 Jahren im
Trialsport. Wie siehst du die Stellung der Marke
in der Szene?
MR: Es ist unglaublich was Sherco in diesen 10
Jahren geschafft hat. Natürlich fehlt noch die
WM-Krone, aber wir sind sicher, dass auch diese
noch erreicht wird. Es ist natürlich eine Frage
der personellen Besetzung. Wir müssen neue
Fahrer unter Vertrag nehmen und ausbilden.
Graham Jarvis hat dreimal Platz Vier in der WM
erreicht. Cabestany kann das noch übertreffen,
und ich bin mir sicher, dass er alle besiegen
kann.
AV: Glaubst du, dass es in Zukunft
ausschließlich Viertakt-Motorräder geben wird?
MR: Nein, definitiv nicht. Die FIM hat erklärt,
dass in der WM Viertakt-Motorräder gefahren
werden müssen. In Großbritannien sind noch 90%
der Motorräder Zweitakter. Sie sind leichter zu
fahren, zu warten und zu verkaufen. Die Kosten
für die Reparatur einer Viertaktmaschine können
sehr hoch sein. Ich würde sagen, dass die
Viertaktmaschinen ein sehr exklusives Spielzeug
sind und dass die meisten bei den Zweitaktern
bleiben werden.
AV: Bevorzugen britische Fahrer Zweitakter oder
Viertakter?
MR: Wir wollen zu unseren Wurzeln zurückkehren.
Deshalb wird unsere Vertriebsfirma einen
Zweitakt-Fahrer bewerben und unterstützen. Unser
Geschäft wurde in der Zweitaktära gegründet und
in der Zukunft werden wir etwa zu 70% Zweitakter
und zu 30% Viertakter verkaufen.
AV: Findest du, dass die Modellpalette von
Sherco komplett ist?
MR: Wir haben eine 125er die gut für junge
Fahrer ist, aber wir müssen noch daran arbeiten
um die Motorleistung zu steigern. Wir haben für
England eigene 250er und 290er die auf britische
Verhältnisse speziell abgestimmt sind. Die
Motorräder für unseren Markt müssen leicht zu
fahren sein. Es ist zwar leicht ein starkes
Motorrad für den weltweiten Verkauf zu
entwickeln, aber der Verkauf wird sich in
Grenzen halten. was wir brauchen ist ein
Motorrad für alle Fahrer. Vom Anfänger zum
Superstar, sollten alle auf das gleiche Motorrad
passen und am gleichen Motorrad Spaß haben.
AV: Haben Lampkins Erfolge den Sport in
Großbritannien populärer gemacht?
MR: Ja, natürlich! Wir haben dadurch natürlich
viel TV-Zeit bekommen, und das ist wichtig. Du
kannst das Publikum nicht vergrößern, wenn du
nur in der Fachpresse publizierst, du brauchst
dazu schon Tageszeitungen und Fernsehen. Es ist
sehr schade, dass fast 100% der Spitzenfahrer
aus Spanien kommen, denn der Markt hört nicht an
den spanischen Grenzen auf. Wir müssen auch gute
Trialfahrer in Italien, Deutschland, Frankreich
und Großbritannien unterstützen. Es sollte unser
Ziel sein die besten Fahrer der meisten Länder
zu unterstützen.
AV: Ist das Schottische Sechstagetrial die beste
Möglichkeit ein Trialmotorrad zu testen?
MR: Ja, ich denke schon. Es ist schon seit so
langer Zeit der beste Motorrad-Test. Ja, bis
heute gibt es keine bessere Möglichkeit ein
Motorrad in sechs Tagen intensiv zu testen. Es
ist ein sehr komplexer Bewerb, mit all seinen
Gebühren, Bewilligungen, Behördlichen Auflagen,
Sicherheitsbestimmungen und mit der aufwendigen
Treibstoffversorgung. Und obwohl es für die
Teilnehmer sehr teuer ist, ist die Zahl der
Teilnehmer sehr hoch. Es ist ein echter Test der
Fähigkeiten von Fahrer und Maschine unter
härtesten Bedingungen einen extrem harten Kurs
zu bewältigen. Auch wenn es in der Zukunft immer
schwieriger werden dürfte, hoffen wir, dass es
diesen Bewerb noch viele Jahre geben wird.
AV: Fahrer wie Jarvis und Blasuziak haben
zuletzt Enduro Bewerbe dominiert. Ist das
Trial-Training eine so gute Basis um
Motorradfahren zu lernen?
MR: Absolut! Trial ist die Basis. Es lehrt dir
die Basistechniken, die es dir erlauben in
Straßenrennen, Motocross, Enduro oder
Sandbahnrennen effektiver und sicherer unterwegs
zu sein. Es ist ein großartiger Sport, und dazu
ist es auch noch ein Weg um schon Kindern
beizubringen wie man ein Motorrad sicher bewegt.
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